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Aphorismen
Nichts ist phantastischer als der Horizont des Möglichen.
Es ist eine Beleidigung und Verhöhnung des menschlichen Geistes, sich tagaus tagein in derselben Weise mit denselben Dingen beschäftigen zu sollen.
Die Blicklosigkeit für sich selbst verwandelt sich in außerordentlichen Scharfblick für die eigenen Fehler - an anderen.
Domenico Scarlatti: Clownesker Artist im Kosmos der Harmonik.
"Wer Wunder nicht für möglich hält, ist kein Realist" (Ben Gurion)
Wenn man sich mit jemandem verbindet, ist es so gut wie sicher, daß sich mit diesem Andern und der Verbindung zu ihm eine Aufgabe stellen wird. Zum Lieben gehört die prinzipielle VORABbereitschaft, sich dieser Aufgabe auch zu stellen.
Die Lebenssituation, in der sich ein Mensch befindet, ist ihm gleichsam als Ausgangspunkt mitgegebene Perspektive auf das Leben, sein Ausblickspunkt.
Nach allem greifen, weil man es brauchen KÖNNTE, verweist nicht so sehr auf Sinn für`s Praktische als vielmehr auf weitestgehende Orientierungslosigkeit. Der Betreffende weiß eben nicht, WAS er braucht.
Individualität ist kommunizierbar, Egozentrik nicht!
Der Materialismus als Geisteshaltung ist eine Verschließung des Geistes gegen sich selbst.
Manche Erfahrung wird erst möglich, sobald man etwas zu verlieren hat - und es einsetzt in dem Bewußtsein, daß man es verlieren könnte.
Sterblich ist die FORM, in der man jeweils lebt.
Das Verständnis der Musik muß radikal vertieft werden, wenn uns die Musik der letzten 4 Jahrhunderte nicht entgleiten soll.
Das Gold des Sex liegt tief. Man muß durch viel Dreck hindurch, um an es zu gelangen.
Ein wirklich individueller Lebensweg kann nur ein ungeWÖHNlicher sein. Denn Wohnen ist Bleiben, nicht Weg.
Man trifft die Nuance aus dem Blick für das Ganze.
Wahrheit ist sowohl bei ihren Verteidigern als auch ihren Bestreitern fremd. Zuhause ist sie unter Erkennenden Bekennern, ihren Tuern.
Fassen Sie die heißen Eisen ruhig an. Sie wissen dann wenigstens, was Sie in der Hand haben!
Die Brücke vom Ideal zum Menschen ist die Liebe.
Der Gedanke an Selbstmord: schamlose Ungeduld gegenüber der Auflösung unseres Lebensrätsels.
90% der Lügen sind Flucht vor der Schuld. Man lügt die Vergangenheit zurecht, damit man schuldlos dastehe.
Ein `Effekt´ ist, was mich überrascht, aber nichts bedeutet. Bsp: GoldbergvariaKtionen.
Wir sind heute daraufhin erzogen, um nicht gleich zu sagen: dressiert, Anspruch sei per se gerechtfertigt. Und zwar nicht nur individueller, sondern auch und gerade sozialer Anspruch. Was der eine hat, habe auch ICH ein RECHT zu haben. Ob ich auch brauche, was der Andere hat, ist zweitrangig bis bedeutungslos.
Jeder Moralist hat seinen Hintergrund an Ausschweifung und Gefallenheit. Moralismus (der Bessere!) ist Kampf um Selbstreinigung. Der Reine hat Moralismus nicht nötig.
Daß der Moralist immer eingedenk sei der eigenen Gefallenheit, erhält ihm die Demut. Wehe, er vergißt oder verdrängt jene. Dann ist der Weg zum Terrorismus nicht weit. Dann wird der Moralismus selbst zum weiteren Fall.
Es ist nicht abwegig, bei der seit Jahrzehnten verübten Luftverschmutzung von einer schleichenden Vergasung der Menschheit zu sprechen.
Wir leben in einem Zeitalter der geradezu systematischen Zerstörung des Ich. Zerstört wird das Ich, indem es genötigt wird, seine gesamte Selbstbestimmung, allen Inhalt seiner selbst von außen empfangen zu sollen. Und dies unter dem Vorwande, von sich her sei es ohnedies leer.
Toscanini: Musizieren als Eintätowieren der Musik in unser Gehör.
Einen Einfall kann man sich nicht ausdenken. Aber sobald er einem geschenkt ist, beginnt erst die Arbeit, ihn aus-zudenken.
Das Böse pflegt letztlich seine Opfer auch - damit es weiterhin zu Beherrschende habe.
Die Lehre, es gebe keinen Teufel, ist vom Teufel selbst ausgestreut.
Je nachdem, was für ein Bild wir uns von den Dingen machen, so verhalten wir uns ihnen gegenüber. Halten wir also Sex für eine reine leibliche Notdurft, üben wir auch nur befriedigungsorientierten Sex aus. Halten wir Sex für eine niedere Sache, werden wir ihn als niederes Verhalten ausüben.
Mit wem man bei Tage nicht zusammen sein kann, mit dem sollte man auch die Nacht nicht verbringen. Mit wem man nicht von Aug zu Auge, nicht von Mund zu Mund zusammen sein kann, mit dem auch nicht von Geschlecht zu Geschlecht.
Unser soziales Leben ist heutzutage im Schnitt so leer, daß wir ebenso gut auch auf es verzichten könnten.
Wer die Keime nicht liebt, wird nie zu Bäumen kommen, respektive: Wer das Keimen nicht liebt, wird nie zu Wachstum kommen.
So mancher benimmt sich ordinär und vulgär, weil er sich darin souverän wähnt.
Man muß von dem Boden aufstehen, auf dem man gefallen ist.
Mir scheint, es gibt eine Art Altershumor.
Begegnung im Rausch: die Seligkeit wird angetrunken, und irgendeine Person hinzuergattert.
Schlimme Zeiten, in denen das Schöne kein RECHT hat!
Es ist bezeichnend für unsere Kultur, wo der Sex gelandet ist. Er muß erledigt sein wie der tägliche Abort. Er ist gleichsam wie Abscheidung eines Triebdruckes, einer Unruhe, einer Gier.
Jede Beziehung braucht ihr Werk.
Nicht laßt mich Neues sehen, sondern laßt doch endlich mal etwas zu Alter kommen! Oder gebt mir WAHRHAFT Neues! Nicht die öde Langeweile ewig gleicher Neuigkeiten.
Der Technikhörige ist ein umgekehrter Don Quixotte. Will dieser allenthalben gegen das vorhandene Böse kämpfen, so will jener mit der Verunsterblichung des Menschen, der absoluten Überwindung von Raum und Zeit und der Vollmacht über den Inhalt des Wirklichen Dinge erkämpfen, die schon längst da sind. Beide sind Illusionisten. Don Q., weil er in der Vorstellung Heldenkämpfe besteht; der Technologiehörige, weil die Mängel des Wirklichen, die er aufzuheben strebt, nur seine Blindheit sieht.
Manche täten mehr für sich, wenn sie unterließen zu tun, was sie FÜR sich zu tun glauben.
Der Jammer ist auch etwas, was das Leben jämmerlich macht!
Wo ihre Herzen und ihr Glauben sind, da errichten die Menschen ihre Tempel. Wo oder was aber sind die heutigen Tempel? Es sind die Shopping-Malls, die Einkaufszentren, alle die Orte eben, in denen heute der Konsum Tag für Tag so andächtig zelebriert wird wie täglicher Gottesdienst.
Das Tote und nur das Tote allein unterliegt den Gesetzen der Mechanik. Soll ein Lebendiges den Gesetzen der Mechanik untergeordnet werden, so geht das nur, indem man es eben tötet.
Es ist ein großer Unterschied, ob man das Leben oder ob einen das Leben verdaut.
Es genügt nicht, Identität zu haben. Es bedarf auch des Bewußtseins der Identität.
`Das wäre ja zu schön, um wahr zu sein!´ höre ich. Aber in Bezug auf so manches gilt doch: Gerade WEIL es SCHÖN ist, ist es wahr!!!
Zu scheitern, kann ein ein ungeheuer großer Schutz sein, so groß wie nur wenig anderes im Leben. - Und sobald man dieses Schutzes nicht mehr bedarf, wird man auch nicht mehr scheitern.
Viele Fragen werden nicht gestellt, weil die Antworten auf sie zu sehr gefürchtet werden.
Die meisten Menschen wollen sich nichts zumuten noch abverlangen, nicht für Erkenntnis, nicht für Könnenszuwachs, und schon gar nicht um eines andern willen.
Wie weit kann man sich auf sich verlassen, wenn man nicht in der Lage ist, bestimmte Dinge zu unterlassen?
Ein Mensch, der mit sich und der Welt abgeschlossen hat, verzeiht einem alles, nur nicht, daß man ihn liebt.
Wir leben ja bekanntlich in einer sogenannten Fortschrittsgesellschaft. Was aber ist Fortschritt? Neutral gesagt bedeutet `Fortschritt´: fortgehen, sich von etwas entfernen. Eine fortschrittliche Zeit ist also eine, in der viel fortgegangen wird. Aber wovon? Von Althergebrachtem, als überkommen angesehenem, jedenfalls aber VORHANDENEM. Eine Zeit, die Fortschritt zu ihrem Hauptinhalt erhoben hat, kann demgemäß nur eine Zeit sein, in der permanent von etwas fortgegangen wird, die nicht mehr bei sich bleibt noch zu bleiben vermag. Entsprechend prägt das die Menschen. Auch sie vermögen immer weniger bei sich zu bleiben. Aber es muß doch ein gewisses Gleichgewicht herrschen zwischen Festem, Gültigem, und solchem, was verändert, von dem fortgegangen wird. Ein Festes als Basis ist unerläßlich. Basis zu verändern, bedeutet Revolution. Eine Zeit, die keine Basis mehr kennt, weil alles in Fortschritt sein soll, rollt nur noch fort in Veränderung. Aber sie hat kein Maß mehr.....
... denn Maß des Fortschrittes ist eben jene Basis, von der aus das je Neue als immer gelungenere Ausprägung der Grundvorstellungen eingeordnet werden kann. Daher KANN es in ihr auch keinen ECHTEN Fortschritt mehr geben, sondern eben nur noch ein Fortrollen von Veränderung zu Veränderung. Fortschritt in ihr wäre nur noch, wieder Basis zu bekommen.
Ich wollte noch nie zu den Leuten gehören, deren Einstieg in Beruf und Karriere ist, als schlösse sich hinter ihnen eine Gruft.
Sex ungestaltet, gleichsam naturhaft roh auszuüben, ist geradeso wie Nahrung unzubereitet hinunter zu schlingen.
Frank Walter Steinmeier kurz nach seiner Kür zum Kanzlerkandidaten vor der Presse: "Niemand soll am Rande der Gesellschaft liegen bleiben." Was aber soll das heißen? Daß niemand am Rande der Gesellschaft leben sollen müsse? Was soll das für ein Rand sein, an dem keiner lebt? Bunte Blumenwiesen, auf denen Osterhasen umherspringen? Eine Gesellschaft ohne Ränder KANN es nicht geben! Es kommt nur darauf an, WIE man den Rand definiert.
... In unserer Gesellschaft ist er zur Zeit definiert als HARTZ IV. Nicht das Schlechteste, wenn ich das im globalen Vergleich betrachte. Ob menschenwürdig - DIESE Frage scheint mir besser beantwortbar im Zusammenhang mit der Frage danach, inwieweit unsere Gesellschaft ÜBERHAUPT menschengemäß ist.
Wenn sich die Frage nach dem Sinn von Musik überhaupt beantworten läßt, dann würde ich sagen: Ihr Sinn ist, uns zu zeigen, welcher Gefühle die menschliche Seele fähig ist. - Nicht nur, damit sie nicht in der Gräue des Alltags jämmerlich absaufe, sondern damit sie darin ihrer wahren Dimension inne werde.
Das Maß an Anforderung, das Freiheit für den Menschen bedeutet, muß ganz neu herausgearbeitet und dargestellt werden. Erst dann kann es zu einer inneren Erneuerung der westlichen Gesellschaften kommen.
Ein Held ist, wer sich ein Fundament zu erkämpfen vermag.
Wer in der Ferne nichts sieht, hat nicht das Recht zu sagen, daß in der Ferne nichts sei.
Die Habgier mag schlucken und schlucken, zuletzt VERschluckt sie sich doch an sich selbst.
Wer nicht bisweilen an seiner Begabung zweifelt, hat gar keine!
Es graut dem Menschen vor der spirituellen Horizontlosigkeit. Aber um sich den neuen Horizont zu gewinnen, MUß er eben in diesen Abgrund erst geblickt haben.
Unsere Erinnerungsfähigkeit ist gleichsam der in unser Hier und Jetzt hereinragende Abdruck unserer Unsterblichkeit.
Glücklichsein ist weniger Glückssache als vielmehr eine Kunst - und lernbar.
Für wie blöd die Medienmacher ihr Publikum halten, läßt sich daran ablesen, welches Ausmaß an Blödsinn sie ihm vorsetzen zu können glauben und - tatsächlich auch vorsetzen.
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